30 jähriges Jubiläum von "The New New Product Development Game", Teil 3

Handlungsspielraum und Entscheidungsfreiheit in einem vorgegebenen Rahmen geben dem Team die "Luft zum atmen" und bringen kreative Lösungen hervor. Aber auch Ethik und Unternehmensphilosophie sind zu beachten.

„Moving the scrum downfield
From interviews with organization members from the CEO to young engineers, we learned that leading companies show six characteristics in managing their new product development processes:
1. Built-in instability
2. Self-organizing project teams
3. Overlapping development phases
4. „Multilearning“
5. Subtle control
6. Organizational transfer of learning
These characteristics are like pieces of a jigsaw puzzle. Each element, by itself, does not bring about speed and flexibility. But taken as a whole, the characteristics can produce a powerful new set of dynamics that will make a difference.
Built-in instability
Top management kicks off the development process by signaling a broad goal or a general strategic direction. It rarely hands out a clear-cut new product concept or a specific work plan. But it both offers a project team a wide measure of freedom and also establishes extremely challenging goals. (…)
Top management creates an element of tension in the project team by giving it great freedom to carry out a project of strategic importance to the company and by setting very challenging requirements.“

Im Jahr 1986 haben Hirotaka Takeuchi und Ikujiro Nonaka ihr berühmtes Paper veröffentlicht, „The New New Product Development Game“. In ihrer Untersuchung schlugen die Autoren einen parallelen und ganzheitlichen Produktenwicklungsansatz vor, im Gegensatz zu einem seriellen, auf einzelne Phasen spezialisierten Entwicklungsansatz.
Als Takeuchi und Nonaka eine neue Herangehensweise für Produktentwicklung erläuterten, war die 3. Industrielle Revolution (der Einzug von Computertechnik) seit einigen Jahren voll im Gange.
Heute, im Jahr 2016, sind Digitalisierung, Industrie 4.0, Smart Factory, Internet of Things, Roboter-Mensch-Interaktion die Themen, welche in den Medien stark vertreten sind und viele Menschen beschäftigen. Dies wird in Deutschland die „4. Industrielle Revolution“ genannt und noch größere Umwälzungen als die Erschaffung des Internets werden vorausgesagt.

In dieser Reihe möchte ich Passagen des Original Papers zitieren und die Aussagen in Bezug zum Jahr 2016/2017 stellen.

***Teil 3***

Eingebaute Flexibilität

Um sein Ziel erreichen zu können, muss ein Team Handlungsspielraum haben. Es muss die Entscheidungsfreiheit haben, je nach Lage und Situation notwendige Anpassungen vorzunehmen. Neu gewonnene Erkenntnisse im komplexen Kontext müssen ein entsprechendes Handeln nach sich ziehen können, ohne dass für jeden Schritt Rechenschaft abgelegt werden muss. In diesem bereitgestellten Gestaltungsspielraum kann ein Team „atmen“ und flexibel reagieren.

Ein vorgegebener äußerer Rahmen (begrenzt z.B. durch Terminvorgaben, Kostenvorgaben, vorgegebene Materialien, vorgegebene Hauptproduktmerkmale, usw.) verhindert, dass sich die von den Team-Mitgliedern eingebrachte Energie in verschiedene ungewollte Richtungen ausbreitet. Der Druck wird dadurch innerhalb des Teams ansteigen, wie in einem verschlossenen Kochtopf auf einer heissen Herdplatte. Dieser entstandene Druck soll Kreativität hervorbringen und die gemeinsame Energie zum Finden von neuen Lösungsansätzen kanalisiert werden.

In einem innovativen Unternehmen würde also ein Entwicklungs-Team mit ausreichender Autonomie ausgestattet werden, ein außergewöhnlich hohes, aber vom Team als erreichbar angesehenes und daher motivierendes Ziel vorgegeben und den Rahmen abstecken bekommen.

Es sollte dabei aber beachten werden, dass diese Lösungen nicht um jeden Preis errungen werden sollten. So sind z.B. Gesetze und Bestimmungen einzuhalten. Auch möchte ein Unternehmen (in der Regel) keine Lösungen haben, die den eigenen ethischen Ansprüchen nicht genügen oder der Unternehmensphilosophie widersprechen.¹

Anmerkungen

¹ Beim VW Abgas-Skandal ist das Gegenteil deutlich zu sehen: Die technischen Lösungen zur Einhaltung der Vorgaben zum Schadstoffaustoß waren effektiv, aber illegal und unethisch. Trotzdem wurde anscheinend in allen involvierte Gremien und Instanzen die Lösung akzeptiert und zur Umsetzung freigegeben.

Siehe auch:
Ferdinand Dudenhöfer: Kraftfahrzeuge: VW braucht eine neue Ethik, erschienen im Wirtschaftsdienst, Heft 10, 2015, Seite 652,
http://archiv.wirtschaftsdienst.eu/jahr/2015/10/kraftfahrzeuge-vw-braucht-eine-neue-ethik/

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